Das Russland des Jahres 2007 ist eine der am dynamischsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Besondere Dynamik hat dem
Zusammenspiel Russlands mit seinen ausländischen Partnern konsequente Entwicklung des politischen Dialogs auf der hohen und
höchsten Ebene gegeben. Die makroökonomischen Daten sind seit Jahren ausgezeichnet, die positiven Entwicklungen der letzten
sieben Jahre fanden auch 2007 ihre Fortsetzung. Russland hat sich zu einem politischen Schwergewicht entwickelt. Wirtschaftswachstum,
eine weitere finanzielle Konsolidierung, ein Aufstocken der nationalen Reserven und eine extrem positive Handelsbilanz.
Den deutschen Firmen gilt Russland als einer der zukunftsträchtigen Märkte der nächsten Jahre. Die guten wirtschaftlichen
Verhältnisse haben positive Einwirkungen auf den privaten Konsum und haben zu bemerkenswerten Steigerungsraten in den Einzelhandelsumsätzen
geführt.
Als große Hindernisse werden Korruption, Bürokratie und die vermehrte Einflussnahme des Staates auf die Prozesse der freien
Marktwirtschaft eingesehen. Zwar wird der russische Export weiterhin durch die Lieferung der Rohstoffe dominiert, die Tendenz
zur Entwicklung einer leistungsfähigen Volkswirtschaft ist jedoch unverkennbar.
BIP, Gold- und Devisenreserven
Der Stabilitätsfond Russlands ist 2007 schon auf über 150 Mrd. US Dollar gewachsen. Am 1. Februar 2008 wurde der Stabilitätsfond
in Reservfond (3,069 Billionen Rubel) und Fond des nationalen Wohlstandes (767,8 Milliarden Rubel) aufgeteilt. Im Jahr 2007 hat das russische BIP einen Rekordanstieg der letzten 7 Jahre erreicht – 8.1%. Die RF behält somit unter den
Industrieländern weiterhin stabil eine Spitzenposition beim Zuwachs des realen BIP-Volumens. Seit 1999 hat sich das BIP verdoppelt.
Laut den Prognosen des Ministeriums für Wirtschaftentwicklung und Handel der RF soll im Jahr 2015 das BIP pro Person 21 Tausend
Dollar betragen, was dem derzeitigen Niveau der EU-Länder entspricht. Die Gold- und Devisenreserven sind auf über 506,97 Mrd. US-Dollar gewachsen (Stand: 1.April 2008) Die Regierung hat aber zugegeben, dass die Inflation 2008 nicht 8-9% sondern 9-10 % betragen werde.
Einkommen
Die real verfügbaren Monatseinkommen sind in den letzten 8 Jahren um 2,5 Mal gewachsen, im Jahr 2007 beliefen sie sich durchschnittlich
auf ca. 13575 Rub. (umgerechnet ca. 386 Euro) es ist eine Steigerung über 25,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein rasanter Anstieg der Löhne ist in folgenden Industriebranchen zu verzeichnen: Förderung der Bodenschätze, Groß- und Kleinhandel,
Finanzleistungen, Ausrüstung- und Maschinenherstellung.
Industrieproduktion
Die führenden Industriebranchen Russlands sind Maschinenbau sowie Eisen- und NE-Metallurgie. Gut entwickelt sind auch die
chemische und petrochemische Industrie sowie die Holz-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie. Darüber hinaus entfallen auf
Russland 10 % des Ackerlandes der Erde, fast 40 % der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion sind der Ackerbau, über 60 % die
Viehzucht. Auf dem Territorium Russlands bestehen umfassende Energieverbundsysteme der jeweiligen Regionen.
Die Industrieproduktion ist in Russland 2007 um 6.5% gestiegen. Ein starkes Wachstum verzeichneten in dieser Zeit die primäre
Verarbeitung und die Produktion der Rohstoffe und Materialien. Es wuchsen rapid die großtonnagigen Branchen zu: Hüttenindustrie,
chemische Industrie, Zellstoff- und Papierproduktion, Baumaterialien. Bauwirtschaft, Handel und die Nahrungsmittelproduktion
werden ausgebaut. Auf den Verbraucherboom hat auch der Pkw-Bau entsprechend reagiert.
Investitionen
In den letzten acht Jahren sind die akkumulierten ausländischen Investitionen in die russische Wirtschaft um 7 Mal gestiegen. 2007 betrugen die ausländischen Direktinvestitionen in die russische Wirtschaft knapp 27,8 Mlrd. US-Dollar. Das ist doppel
so viel als 2006. Insgesamt bekam Russland 2007 120,9 Mlrd. US-Dollar ausländische Investitionen, um das 2,2-fache mehr als
2006. Dabei muss man anmerken, dass in der Struktur der ausländischen Direktinvestitionen nicht nur die Beiträge in das Grundkapital
gewachsen sind, sondern auch Kredite, die die ausländischen Teilhaber russischer Firmen geben. Deutschland liegt bei den akkumulierten
Gesamtinvestitionen auf Platz acht unter den ausländischen Investoren in Russland.
Russland hat seine Standortattraktivität erhöht: China rangiert seit Jahren unangefochten auf Platz eins. Ihm folgen Indien
und die USA. Russland liegt auf Position sechs. Mit dem geplanten Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation können Unternehmer
berechtigte Hoffnungen auf eine Erleichterung für Investitionen regen.
Derzeit sind in Russland 1 Million Kleinunternehmen und 4,7 Millionen selbständige Unternehmer aktiv. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt
beträgt 12%. Juristische Personen sollen künftig einfacher und schneller registriert werden können. Dies soll innerhalb von
fünf Tagen erledigt werden. Bei neu gegründeten Kleinunternehmen verzichtet der Staat in den ersten drei Jahren auf bürokratische
Kontrollen. Außerdem gründet der russische Staat sechs Sonderwirtschaftszonen. Das bereits verabschiedete Gesetz sieht zwei unterschiedliche
Typen vor. Es entstehen technisch-wissenschaftliche „Innovationszonen“ und industrielle „Produktionszonen“. 2006 kamen sieben
Touristiksonderzonen hinzu.
Außenhandel
Den deutschen Firmen gilt Russland als einer der zukunftsträchtigsten Märkte der Welt. Und bei der Einschätzung der aktuellen
Geschäftssituation in den 30 wichtigsten Exportländern liegt Russland auf Platz zwei nach China. Im Januar 2008 betrug der Außenhandelsumsatz Russlands nach Angaben der Bank Russlands 49,8 Mlrd. US-Dollar (149,6% im Vergleich
zu Januar 2007г.), darunter Exporte - 34,0 Mlrd. US-Dollar (157,9%), Importe- 15,8 Mlrd. US-Dollar (134,3%). Der Saldo der
Handelsumsatzbilanz blieb positiv, 18,3 Mlrd. US-Dollar (im Januar 2007 - 9,8 Mlrd. US-Dollar). Nach Angaben des Ministeriums entfallen 52% des Außenhandelsumsatzes auf EU-Länder, 18,5% auf die Staaten des Asiatisch-Pazifischen
Raums und 15,3% auf die GUS-Mitgliedsstaaten. Fast zwei Drittel der russischen Exporte entfallen allein auf Öl und Gas bzw. deren Produkte, daneben stehen Metalle und Holz.
Nach Russland werden vor allem Maschinen, Anlagen und Transportmittel geliefert, für die letztes Jahr die Einfuhrzölle deutlich
gesenkt oder auf null gesetzt wurden. Der Import an Maschinen und Anlagen ist um 60 Prozent gewachsen. Großes Interesse besteht
ebenfalls an Erzeugnissen der chemischen Industrie, der Medizintechnik, des Geräte- und Apparatebaus, des IT – Bereichs und
an jeglicher Form von Dienstleistungen.
Deutschland und Russland sind, wie es der russische Präsident während seines Deutschlandbesuches ausdrückte: „natürliche Partner“.
Auch in diesem Jahr bleibt Deutschland der wichtigste Handelspartner für Russland. Die deutschen Unternehmer zeigen sich überaus
zufrieden mit ihren Geschäftsergebnissen in Russland und den künftigen Perspektiven. Die deutschen Ausfuhren machen ca. 10%
des Außenhandels Russlands aus. Bei den wichtigsten Einfuhrposten – Chemieerzeugnisse, Nahrungsmittel, Maschinen und Ausrüstungen
– haben die deutsche und bayerische Exportwirtschaft gute Karten.
Von 2000 bis 2007 ist der bilaterale bayerisch-russischer Warenaustausch um das 3,5 –fache auf 8,5 Mrd. Euro angestiegen.
Der bayerische Export nach Russland ist 2007 um weitere 38% gewachsen. Es wird damit gerechnet, dass sich der bayerisch-russische
Handel 2007 an die 10 Mrd. Euro Grenze nähern wird. Die RF und dort insbesondere der Moskauer Raum – ist der bedeutendste
Handelspartner Bayerns in Osteuropa. Die wichtigsten bayerischen Ausfuhrgüter sind Maschinen, elektronische Erzeugnisse, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse.
Von den 4.600 deutschen Firmen, die in Russland tätig sind, ist ein Drittel aus Bayern. Etwa 800 von denen sind in Moskau
ansässig. Mehr als die Hälfte der deutschen Großinvestoren kommt aus Bayern: z.B. Knauf, Siemens, Ehrmann, Pfleiderer, Hochland, Allianz
und Hypovereinsbank. Bei Berücksichtigung der Re-Investitionen der in RF erwirtschafteten Gewinne belaufen sich die bayerischen
Investitionen auf mindestens 1,5 Mrd. Euro.
Fazit
Die Hoffnungen, die die deutsche Wirtschaft auf Präsident Putin gesetzt hat, sind eingelöst worden. Sechs Jahre stürmisches
Wirtschaftswachstum in Folge und ein konsequenter Reformkurs haben Russland zu einem der attraktivsten Standorte für ausländische
Unternehmen weltweit gemacht. Das Land ist einer der größten Wachstumsmärkte der Gegenwart. Russland wird auch in Zukunft
ein zuverlässiger Partner sein und ein sich dynamisch entwickelnder Markt mit großen Chancen für deutsche Unternehmen.