Im Rahmen von Bayerischen Wirtschaftstagen in Moskau gab der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber ein Interview der
RIA Novosti MOSKAU, 14. Juni (Boris Kaimakow, RIA Novosti).
"Fragen gibt's immer"
RIA Novosti: Sind Sie mit den Ergebnissen der Bayerischen Wirtschaftstage in Moskau zufrieden?
Erwin Huber: Ich bin sehr zufrieden, wir haben eine ganze Reihe von Projekten auf den Weg gebracht. Bayern wird in den nächsten
Jahren viele Messen in Moskau besuchen. Das sind Ausstellungen im Bereich der Medizintechnologien, der Möbelproduktion, der
Innovationen, der Kommunikationstechnologien. Und die Tatsache, dass 78 Unternehmen nach Moskau gekommen sind, ist ein Beweis
dafür, dass die bayerische Wirtschaft für Moskau von großem Interesse ist.
Wie schätzen Sie die Kontakte mit russischen Industriellen, Offiziellen, Beamten usw.? Gibt es Probleme, die Sie unbedingt
besprechen wollen?
Fragen gibt es immer, die wir besprechen müssen. Aber es entwickelt sich sowieso gut. Wir haben schon 15 Jahre Partnerschaft
zwischen Bayern und Moskau. Und wir haben jetzt die 9. Wirtschaftstage in Moskau, die einen guten Zulauf haben. Die Industriellen
aus Moskau sind auch dabei, so dass es von beiden Seiten sehr kompetent und exzellent besetzt ist. Das ist ein gutes Fundament,
auf diesem Fundament lässt es sich gut aufbauen und weiterentwickeln. Und ich sehe eine besonders gute Chance im Bereich von
Umwelt- und Energietechnologien, von Biotechnologien und Nanotechnologien, im Hi-Tech-Bereich, weil Bayern auf allen diesen
Feldern sehr stark ist. Ich sehe eine besondere Chance der Zusammenarbeit, der Erfahrungsaustausches, des Leistungsaustausches
und der gemeinsamen Wirtschaft in der Zukunft.
Bei den vorangegangenen Bayerischen Wirtschaftstagen in Moskau ging es um die Modernisierung des Moskauer Stadtbezirkes Lefortowo.
Wie steht es heute um dieses Vorhaben?
Das ist in erster Linie eine Aufgabe der Moskauer Stadtregierung. Die Städteplaner, die Architekten und die Entwickler sowie
Investoren aus Bayern sind natürlich bereit, die Entwicklung dieses Stadtteils voranzubringen. Ich kann ausdrücklich sagen,
wir halten es für eine gute Idee. Und bayerische Wirtschaftsleute werden ihre Erfahrungen und ihre Kompetenz hier einbringen.
Der Vertreter Bayerns in Moskau, Michail Logwinow, hat in einem Interview behauptet, es gebe Probleme mit Zoll, im Patentwesen
usw.. Wie sieht es heute aus?
Herr Logwinow hat völlig recht. Wir hören von bayerischen Unternehmern Klagen und Wünsche, dass die Zollabfertigung immer
noch sehr lange dauert und sehr wenig berechenbar ist. Wir hören, dass in der Zertifizierung ständig Probleme in der Abwicklung
gibt. Es gibt einen Katalog strategisch wichtiger Güter. Das ist akzeptabel, das ist kein Problem. Nur wenn etwa 80 Prozent
Güter im Warenaustausch unter die Zertifizierung fallen, dann ist es zuviel, dann ist es zu schwierig, das kostet Zeit, das
kostet Geld. Und dann bei einmaligen Lieferungen von Bayern nach Russalnd ist es auch nicht wert, diese Lieferungen aufzunehmen.
Herr Huber, sind Ihnen die Probleme der Firma Lindner in Russland bekannt? Die russische und die deutsche Presse hat geschrieben,
dass diese Firma Probleme mit den russischen Patentbehörden hat.
Ich kenne diese Probleme. Und das ist etwas, was man auch lösen kann.