Die zwischenstaatlichen Konsultationen auf der höchsten Ebene finden in diesem Format seit 1998 abwechselnd in Russland und
in Deutschland statt. Sie sind eine der wichtigsten Formen der bilateralen Zusammenarbeit. Wegen der Wahlen in Deutschland
sind die heutigen Konsultationen in der sibirischen Stadt Tomsk vom 18. September 2005 verschoben worden. Am Mittwoch, dem 26. April 2006 fanden die Treffen von Angela Merkel und Wladimir Putin mit den Teilnehmern der Konsultationen
statt, anschließend führten die beiden Staatsoberhäupter die bilateralen Verhandlungen durch. Das erste Gespräch der beiden
Politiker fand in der Forschungsbibliothek der Staatsuniversität Tomsk statt. Nach diesen Verhandlungen trafen sich die Spitzenvertreter der beiden Länder mit den Teilnehmern der dritten internationalen
Konferenz „Das Präsidialprogramm zur Ausbildung von Verwaltungskadern bei der Entwicklung der regionalen Wirtschaft und der
russisch-deutschen Zusammenarbeit“. Am Abend des ersten Tages sprachen die beiden Spitzenpolitiker während des gemeinsamen Abendessens überwiegend über die internationalen
Fragen. Im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Tomsk hat auch ein hochrangig besetztes Wirtschaftsforum stattgefunden.
Von der deutschen Seite waren insbesondere solche Unternehmen wie E.on, BASF, Siemens, die Deutsche Bahn, Knauf, Metro vertreten.
Ihre russischen Partner waren RAO EES, Gazprom, die Bahngesellschaft RZD, AFK Sistema usw. Ihre Vorträge hielten der deutsche
Wirtschaftminister Michael Glos und sein russischer Amtskollege German Gref. Russland sei ein zuverlässiger Energielieferant. Die russische Seite freue sich insbesondere auf das Produktionsprojekt von
Volkswagen in Russland und die baldige Unterschreibung gemeinsamer Ölprojekte. In diesem Jahr wird eine russisch-deutsche Außenhandelskammer gegründet, teilte Wladimir Putin in Tomsk auf dem russisch-deutschen
Wirtschaftsforum mit. „Frau Angela Merkel und ich hätten uns darauf geeinigt, noch im laufenden Jahr einen neuen Mechanismus im System der bilateralen
Beziehungen - die russisch-deutsche Außenhandelskammer - zu etablieren, so der russische Präsident. Wir wollen beim heutigen Gipfel eine Reihe von großen Investitionsprojekten abstimmen. Mit deren Vorbereitung beschäftige
sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe für strategische Fragen der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit“, erklärte
Wladimir Putin auf dem Forum. Der Umfang des bilateralen Außenhandels war in 2005 nach den deutschen Schätzungen mehr als 39 Mrd. Euro (Plus 24 Prozent).
Die deutschen Investitionen in die russische Wirtschaft wuchsen um mehr als zwei Drittel (auf drei Milliarden US-Dollar) In 2005 verzeichnete die russische Wirtschaft ein Wachstum von 6,4 Prozent, das BIP pro Kopf der Bevölkerung nahm im Vergleich
mit 1999 mehr als auf das Dreifache zu. Die russischen Gold- und Devisenreserven betragen heutzutage 212 Mrd. US-Dollar, 2006
werden rund 60 Mrd. US-Dollar im Stabilisierungsfonds der russischen Regierung akkumuliert. Im August 2005 wurden an den Pariser
Club 15 Mrd. US-Dollar überwiesen (davon entfielen ca. 6 Mrd. USD auf Deutschland), im laufenden Jahr besteht das Anliegen,
die Schulden gegenüber dem Pariser Club vollkommen zu tilgen. Russland wurde als das wichtigste Partnerland auf dem internationalen Luftfahrt- und Weltraumsalon ILA-2006 in Berlin festgelegt. In erster Linie will die deutsche Seite den Zugang auf den russischen Markt für die kleinen und mittelständischen Unternehmen
erleichtern, es sind 70 Prozent der deutschen Unternehmen und Beschäftigten. Nach dem Treffen mit den Teilnehmern des bilateralen Wirtschaftsforums nahmen Angela Merkel und Wladimir Putin an den achten
zwischenstaatlichen Konsultationen teil. Nach der Beendigung dieser Konsultationen wurden zahlreiche bilaterale Dokumente
unterzeichnet. Es fand eine Pressekonferenz statt. Die russisch-deutsche Partnerschaft habe einen strategischen Charakter, verwies die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel
in Tomsk nach ihrem Treffen mit Wladimir Putin gegenüber Journalisten. Laut der Bundeskanzlerin wäre ihr Gespräch mit dem
russischen Präsidenten intensiv und äußerst offen gewesen. Im Rahmen des Gipfeltreffens wurden große Investitionsvorhaben vereinbart. Vor allem waren das Energiewirtschaft, Verkehrswesen,
Telekommunikationen, Luftfahrt und Weltraum. Die Deutsche Bahn und die russischen Eisenbahnen RZD beabsichtigen, den Gütertransit
zwischen Europa und dem Fernen Osten erheblich zu beschleunigen. Mit dem Konzern Siemens wird über die Entwicklung neuer Schnellzüge
in Russland verhandelt. Das Gasvorkommen Juschnorusskoje kann jährlich bis 25 Mrd. cbm Gas bringen, der Abbau sollte 30 Jahre dauern. Die Konzerne
BASF und Gazprom werden im Rahmen dieses Projektes ihre Aktiva austauschen. Das hohe Niveau des hohen deutsch-russischen Zusammenwirkens zeigte auch die Begleitung der beiden Politiker, die an den Verhandlungen
teilnahm. Von der russischen Seite waren in Tomsk Außenminister, Innenminister, Finanzminister, Minister für Wirtschaftentwicklung
und Handel, Minister für Industrie und Energiewirtschaft, Minister für Informationstechnologien und Telekommunikationen, Minister
für Bildung und Wissenschaft, Minister für Gesundheitswesen und soziale Entwicklung, Minister für Kultur, Minister für Transportwesen,
Minister für regionale Entwicklung, Minister für Naturressourcen, Direktor des Dienstes für Außenaufklärung. Ebenso repräsentativ
war auch die deutsche Delegation. Die Gipfelkonsultationen konnte man sogar mit einer auswärtigen Sitzung der beiden Regierungen
vergleichen (13 russische Minister und Behördenleiter sowie 10 Mitglieder der neuen Bundesregierung).