Das Neujahrsfest ist für uns Russen der wichtigste und beliebteste Feiertag. Das Weihnachtsfest wird zwar auch gefeiert, aber
erst danach, nach dem Julianischen Kalender am 7. Januar, dreizehn Tage später. Weihnachten heißt auf Russisch Geburt - „Rozhdestwo“.
Am 7. Januar begrüßen sich alle mit Christi Geburt „S rozhdestwom Christowym“. Die im Westen bekannten Weihnachtsbräuche sind
hier auf das Silvesterfest übertragen.
Seit Peter dem Großen ist der geschmückte Tannenbaum das wichtigste Element des Festes. Die Geschenke werden in der Silvesternacht
darunter gelegt. Der Weihnachtsmann heißt in Russland Väterchen Frost - „Ded Moroz“. Er kommt wie in Deutschland mit einem
Sack voller Geschenke und wird von seiner Enkelin Schneewitchen - „Snegurotschka“ - begleitet. Ein junges, hübsches Mädchen,
traditionell mit langem weißen Zopf, in künstlichem Pelzmantel (weiß oder blau) mit weißer Pelzmütze oder sogar prächtiger
Krone. Mit den beiden kommt bei vielen Neujahrsfesten für Kinder, die traditionell bis zum 10. Januar dauern, auch der kleine
Junge – Neues Jahr. Väterchen Frost wohnt in der kleinen Ortschaft Weliky Ustjug, 300 Kilometer nordöstlich von Moskau entfernt.
Letztes Jahr bekam er über eine halbe Million Briefe von Kindern, die beantwortet wurden. Inzwischen ist das Städtchen so
berühmt, dass es mit dem Besucherstrom zum Jahreswechsel (über 100.000) gar nicht mehr zurechtkommt.
Ded Moroz im Pferdeschlitten
Die Neujahrsfeste für Kinder sind sehr beliebt, sie werden überall – in Schulen, Kindergärten, Betrieben sowie in den wichtigsten
Sälen, auch im Kreml - begangen. Wie zum deutschen Karneval verkleiden sich die Kinder zu diesen Festen als Schneeflöckchen,
Schneemädchen, Kaninchen oder verschiedene berühmte Kinderfilm- und Zeichentrickhelden. Die Kinder tanzen und singen im Kreis
rund um den Tannenbaum. Eines der berühmtesten Neujahrslieder ist dem kleinen Tannenbäumchen - auf Russisch „Jolotschka“ –
gewidmet. Im ganzen Land singen es gerne die Kinder, aber auch die Erwachsenen.
Die Städte werden wie in Deutschland festlich mit Tannenbäumen und Girlanden geschmückt. Silvester wird als das höchste Familienfest
gefeiert. In allen Fernsehkanälen werden neben vielen Konzerten auch die Mitternachtsschläge der Uhr am Spasskij-Kremlturm
übertragen. Einige Minuten zuvor wünscht traditionell der russische Präsident seinen Landsleuten alles Gute zum Neuen Jahr.
Die Russen sind fest überzeugt: „Wie das Neujahr beginnt, so ist das ganze Jahr“. Deshalb versuchen wir, dieses Fest so gut
wie nur möglich zu feiern, und zwar äußerst ausgelassen mit gutem Essen, Trinken, Singen, Tanzen und Spielen bis in die früheren
Morgenstunden. Die geschmückten Tannenbäume bleiben in den meisten Familien bis 7. Januar (Weihnachten) oder sogar bis zum
13. Januar – dem „Alten Neujahrsfest“ - stehen. Offiziell dauern die Neujahrsfeiertage bis 5. Januar. Einige Unternehmen machen
Neujahrsferien bis zum 7. oder sogar 10. Januar.
Väterchen Frost verteilt in Begleitung von Schneewittchen Geschenke
In Russland spielt auch der chinesische Kalender eine große Rolle. Man weiß hier, unter welchem Tierzeichen das nächste Jahr
steht. Kleine Figürchen dieses Tieres sind das meist verbreitete Neujahrsgeschenk für Freunde und Kollegen.
Letztes Jahr war in der Stadtmitte von Moskau hinter dem Bolschoi-Theater ein deutscher Weihnachtsmarkt organisiert. Dort
wurde deutscher und russischer Weihnachtsschmuck angeboten. Recht gerne probierten die Moskauer dort Glühwein, Plätzchen und
Rostbratwurst. Die meisten Besucher hatten den Wunsch geäußert, diesen Weihnachtsmarkt jedes Jahr zu wiederholen und zur Tradition
zu machen.
Viele Russen sehen Weihnachten lediglich als eine Art Verlängerung der marathonmäßigen Neujahrsfeiern an. Die Gläubigen gehen
traditionell am 6. Januar abends zur Weihnachtsliturgie in die Kirche. Patriarch Alexij II, das Oberhaupt der russisch-orthdoxen
Kirche, zelebriert die prunkvolle zentrale Weihnachtsmesse vor 5.000 Gläubigen in der Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau.
Sie wird direkt im russischen Fernsehen übertragen und kann über das Internet verfolgt werden. Der russische Präsident Wladimir
Putin verbringt gewöhnlich die Weihnachtsfeiertage in einer der alten Provinzstädte Russlands. Die Weihnachtsmessen werden
in allen mehr als 16.000 Kirchen und in über 3.000 Klöstern durchgeführt. Allein in den 500 Moskauer Kirchen besuchen über
200.000 Menschen die Weihnachtsgottesdienste.
Die Repräsentanz des Freistaates Bayern in Moskau wünscht allen Kollegen und Partnern in Bayern ein frohes und besinnliches
Weihnachtsfest und für das Neue Jahr sibirische Gesundheit, Glück und viel Erfolg!
Dr. Michail Logwinow Gesandter a.D. Beauftragter des Freistaates Bayern in Moskau