Deutschland und Russland haben ein milliardenschweres Prestigeprojekt einer Gas-Pipeline durch die Ostsee besiegelt: Im Beisein
von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichneten die Konzerne Gasprom,
BASF und Eon am Donnerstag in Berlin ein Abkommen, das den gemeinsamen Bau der bis zu vier Milliarden Euro teuren Leitung
bis 2010 vorsieht.
Durch die rund 1200 Kilometer lange Röhre soll Gas von der russischen Hafenstadt Wyborg nahe St. Petersburg nach Greifswald
in Mecklenburg-Vorpommern transportiert werden.
Schröder und Putin begrüßten das Gemeinschaftprojekt. "Deutschland sichert sich damit einen Großteil seiner Energieversorgung
auf Jahrzehnte", hob der Kanzler hervor.
Durch die Pipeline sollen zunächst etwa 27,5 Milliarden Kubikmeter des größtenteils aus Westsibirien stammenden Gases pro
Jahr strömen und in Deutschland und Westeuropa verteilt werden. Später soll die Menge auf mehr als 50 Milliarden Kubikmeter
steigen. Bisher liefert Russland jährlich etwa 116 Milliarden Kubikmeter Gas nach Westen. Der Rohstoff wird in Überland-Pipelines
durch die Ukraine, Weißrussland, Polen und die Slowakei nach Westeuropa befördert.
Deutschland ist an einer Erhöhung der Gasimporte interessiert, weil der Bedarf steigt. Derzeit kommt gut ein Drittel des in
Deutschland verbrauchten Erdgases aus Russland. Jede zweite deutsche Wohnung wird mit Gas beheizt, in drei Viertel aller Neubauten
wird eine Gasheizung eingebaut. Für die Bundesregierung sind stabile Energielieferungen auch angesichts der Preisrekorde an
den Energiemärkten ein vordringliches Thema. Russland verfügt über rund ein Viertel der weltweiten Reserven des Energieträgers.