Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft: Kräftige Belebung im Russland-Handel
Friday, 26. May 2017

Für den jüngsten Aufschwung im Osthandel ist vor allem die kräftige Erholung des deutschen Warenaustauschs mit Russland maßgeblich: Die deutschen Exporte nach Russland kletterten von Anfang Januar bis Ende März 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Milliarden Euro (+32,2 Prozent).

Die Einfuhren von dort nahmen sogar um 2,1 Milliarden Euro (+35,1 Prozent) zu. „Russland entwickelt sich trotz der Sanktionen wieder zu einem Motor des deutschen Handels mit Osteuropa“, sagte Dr. Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft: „Das Land findet dank steigender Ölpreise aus der Rezession, und der Rubel hat an Wert gewonnen. Damit zieht die Nachfrage nach deutschen Produkten wieder an. Für das Gesamtjahr 2017 erwarten wir einen Anstieg der deutschen Exporte nach Russland um mindestens zehn Prozent.“ Erhebliche Exportzuwächse gab es zuletzt vor allem bei chemischen und pharmazeutischen Produkten, Elektronik, Maschinen und Fahrzeugen.

Trotz des erfreulichen Jahresstarts wird der Export deutscher Unternehmen nach Russland durch das anhaltend schwierige politische Umfeld und die Sanktionspolitik gebremst. Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende hatte sich erst kürzlich in Moskau mit Repräsentanten großer und mittelständischer deutscher Unternehmen getroffen. „Dabei zeigte sich, dass sich die deutsche Wirtschaft zwar mit den Sanktionen arrangiert hat“, sagte Büchele: „Diese haben aber weiterhin eine starke emotionale Wirkung, die gemeinsame Projekte bremst. Die Wirtschaft wünscht sich daher, dass es schnell Fortschritte im Friedensprozess mit der Ukraine gibt und dadurch ein baldiger Ausstieg aus dem Sanktionsregime gelingt. Wir begrüßen die jüngste Initiative der Bundeskanzlerin für ein weiteres Gipfeltreffen zum Ukraine-Konflikt im Normandie-Format.“

Im Zuge der Sanktionen setzt Russland zudem verstärkt darauf, Importe durch im Inland gefertigte Produkte zu ersetzen. Die deutsche Wirtschaft hat daher begonnen, stärker in Russland zu investieren, auch um von den Lohnkostenvorteilen im Zuge des günstigeren Rubels zu profitieren. Der Ost-Ausschuss bemüht sich darum, im Dialog mit der russischen Regierung die Rahmenbedingungen für deutsche Investoren in Russland - insbesondere für Mittelständler - zu verbessern. „Ziel unserer Bemühungen ist die Gleichbehandlung ausländischer und inländischer Investoren. Dabei sind wir ein gutes Stück vorangekommen“, sagte Büchele. Mit der staatlichen Gesellschaft zur Förderung des Mittelstandes in Russland wurde zudem ein erstes Pilotprojekt zur Qualifizierung russischer Zulieferer vereinbart.

Für den kräftigen Anstieg der deutschen Einfuhren aus Russland sind die im Jahresvergleich gestiegenen Energiepreise, aber auch wachsende Importmengen verantwortlich. 82 Prozent der deutschen Einfuhren aus Russland entfielen im ersten Quartal 2017 auf Energieträger und -produkte. Die bilaterale Zusammenarbeit im Energiebereich dürfte künftig noch breiter werden. Erst vergangene Woche hat der größte russische Ölkonzern Rosneft die Zentrale seiner neuen deutschen Tochtergesellschaft in Berlin eröffnet. „Die Energiepartnerschaft mit Russland trägt maßgeblich zur Versorgungssicherheit in Deutschland bei“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende: „Das verstärkte Engagement russischer Energieunternehmen in Deutschland zeigt nachdrücklich, dass Befürchtungen vor einer Abwendung Russlands vom europäischen Markt unbegründet sind.“

© Pressemeldung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft

 
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